2010

Zürich, Volkshaus

Das Konzert ist jetzt schon einige Tage her und irgendwie will der Nebel in meinem Kopf immer noch nicht so recht verschwinden. Genauso wenig verschwindet aber auch das breite Grinsen in meinem Gesicht wenn ich an die Ereignisse dieses Abends zurück denke.

Nach inzwischen knapp 70 Flogging Molly Konzerten in der halben Welt, hat sich bei mir inzwischen eine gewisse Routine eingeschlichen, dennoch war diese Show etwas ganz besonderes. Zum einen hatte ich die Ehre der Band die Urkunde zur Wahl der „Band des Jahres international“ von Celtic Rock überreichen zu dürfen und damit auch meinen ersten formellen Termin mit Flogging Molly, zum anderen hatte ich die Band (mit Ausnahme von Nathen) seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. So eine lange Pause hat es seit 2003 noch nicht gegeben. Ich war also voller Spannung was alles passieren würde. Und das war für ca. 20 Stunden, die ich in Zürich war wirklich eine Menge.

Pünktlich um 14:00 Uhr kam unser Zug in Zürich an. Das Konzert sollte zwar erst um 21:30 Uhr los gehen aber es ist immer schön früh da zu sein um auch noch genug Zeit zu haben Freunde zu treffen. Das haben wir dann auch ausgiebig getan. Einige gute Freunde waren, wie wir, extra für die Show aus Deutschland gekommen aber auch unsere Schweizer Flogging Molly Fans, Mitstreiter der ersten Stunde waren zahlreich erschienen und so gab es bei dem einen oder anderen Bier viel zu erzählen.

Mein Termin für die Übergabe der Urkunde war direkt vor der Show und so machten wir uns um kurz nach 9 auf den Weg zum Backstage Eingang. Dennis lief uns als erster über den Weg, gefolgt von Matt und Bob. Nathen war schon in der Garderobe und nach kurzer Zeit trudelte auch der Rest der Band ein. Auf die Schnelle wurden  ein bisschen Small-Talk gemacht und die letzten Informationen ausgetauscht, dann musste ein Platz für das Celtic- Rock Foto gefunden werden. Gar nicht so einfach mit einer leicht unordentlichen Garderobe und einem schmalen Gang zur Bühne mit schrecklichem Neon-Licht. Letztendlich wurde jedoch eine passende Ecke gefunden, und unser Fotograf, Simon Buob, hat bei diesen schlechten Lichtverhältnissen ein wirklich schönes Foto gezaubert.

Dann war es für Flogging Molly auch schon Zeit um auf die Bühne zu gehen. Ich muss jetzt leider zugeben, dass ich nicht mitbekommen habe was das aktuelle Intro ist. Der Bühnenaufgang ist eine schmale, etwas steile, Treppe auf der die Band gewartet hat bis ihr Zeitpunkt zum Auftritt gekommen war. Da dort ohnehin kein Platz mehr für uns war habe ich die Zeit genutzt um uns schnell noch ein paar Getränke zu organisieren.

Nach Beginn der Show stellten wir dann relativ schnell fest, dass auf der Bühne nicht der optimale Platz zum Zugucken war. An den Seiten war nur wenig Platz und um an den hinteren Rand der Bühne zu gelangen hätte man direkt an Nathen vorbei gemusst. Eine bessere Option war da der Eingang zum Backstagebereich. Von hier aus konnte man alles sehen und der Sound war auch wirklich ok.

Nach einem Jahr Flogging Molly Abstinenz war es wirklich toll die Band wieder live erleben zu können und die FloggingMollyGitis, von der man mich sicher nie wird heilen können, die aber in den letzten Monaten etwas abgeflaut war, ist wieder voll ausgebrochen.

Die Setlist habe ich nicht mehr wirklich im Kopf aber es waren einige Titel dabei die man in Europa bis jetzt noch nicht, oder eher selten gehört hat. So standen zum Beispiel auch „Whiskey on a Sunday“ bei dem Bridget den Part von Lucinda Williams singt, und „The Wrong Company“ mit auf dem Programm. Ansonsten war es mit Titeln wie „Man With No Country, The Lightning Storm, Float, Drunken Lullabies, Devils Dancefloor, Black Friday Rule, The Worst Day Since Yesterday, What’s Left of the Flag, Tobacco Island, The 7 Deadly Sins, etc.  ein bunter Mix aus allen Alben.

Nach der Show hatten wir uns mit Matt, Bob und Nathen in der Volkshaus Kneipe verabredet. Dort angekommen sagte man uns, dass es „last Order“ wäre weil man schließen wolle. So unter Druck gesetzt haben wir dann erst mal vorsorglich 10 große Bier bestellt damit wir noch eine Weile sitzen bleiben konnten. Zürich ist an einem Sonntagabend ja nicht gerade eine Party Meile auf der man sich die coolen Kneipen aussuchen kann.

Matt hatte seine Concertina dabei und versorgte uns mit Musik während wir dabei waren das bestellte Bier zu vernichten. Als Matt einen Anruf bekam gab er seine Concertina an einen unserer Freunde, der, sagen wir mal, nicht ganz so geschickt war dieses Instrument zu spielen. Dieser Meinung war jedenfalls auch der Barkeeper der drauf und dran war uns wegen des Geschrammels rauszuschmeißen. Als Matt die Sache wieder übernahm war alles wieder gut aber so richtig Lust im Pub zu bleiben hatten wir trotzdem nicht mehr. Nach Hause wollte aber auch noch keiner gehen.  Also machte sich eine Gruppe von durstigen Menschen auf die Suche nach einer neuen Lokalität.

Nachdem wir eine Weile rumgelaufen waren und außer einer Brasilianischen Bar, in die keiner so richtig rein wollte, nichts gefunden hatten landeten wir im „Multikulturen Zentrum von Zürich“ (Diese Bezeichnung für die Gegend habe ich am nächsten Tag in einem Prospekt gesehen; ich hätte die Gegend einfach als Rotlichtbezirk bezeichnet). Dort hatten noch etliche Etablissements auf und wir entschieden uns für einen Döner-Imbiss. Eine gute Wahl, wie sich schnell heraus stellte. Uns wurde ein spannendes Programm aus einer Mischung aus Crime und Comedy geboten. Wir hatten kaum an einem Tisch direkt am Schaufenster  Platz genommen als die Polizei zwei Menschen, die ihr Geld ganz eindeutig mit ehrlichen Geschäften verdienen, genau mit den Händen an „unser“ Schaufenster stellte und erst mal gemütlich durchsuchte.  Ich habe mich nicht getraut Fotos zu machen aber wir hatten viel Spaß. Den “Polizeischutz” hatten wir übrigens auch nach der Durchsuchungsaktion für den Großteil der Nacht, die waren echt Präsent.

Irgendwie musste sich rumgesprochen haben wo wir gestrandet waren. Zu vorgerückter Stunde tauchten einer nach dem anderen die restlichen Band- und Crew- Mitglieder auf und unsere Runde wurde wieder erheblich größer und betrunkener. Kurz vor Beginn der Dämmerung war es  Zeit für uns zu gehen damit sich das Hotel wenigstens noch etwas lohnte und immerhin vier Stunden Schlaf bevor der Wecker klingelt sind nach so einer Nacht ja auch nicht zu verachten.

Jetzt sitze ich hier und Grinse weil ich an diesen wunderbaren Abend zurück denke und ich mich schon auf die nächsten Flogging Molly Konzerte im Juli freue. Mal sehen was dann alles passiert.

Flogging Molly, Volkshaus Zurich 2010

 

 

Nathen Maxwell and the original Bunny Gang, Hamburg

Neugierig und voller Vorfreude waren wir gegen 18:00 Uhr auf dem Weg zum Hafenklang als Nathen uns schon mit großen Schritten entgegen kam. Die Wiedersehensfreude war riesengroß und nach dem schnellen Entschluss nicht noch in den Irish Pub um die Ecke sondern direkt zum Club zu gehen wurden erstmal die letzen Neuigkeiten ausgetauscht.

 

Nathens Frau erwartet bald ihr drittes Kind und obwohl Nathen nach Abschluss der Green 17 Tour von Flogging Molly durch die USA nur kurz bei seiner Familie sein konnte hat es ihn doch nach Europa gezogen. Sein Solo-Projekt liegt im so sehr am Herzen, dass ihm kein Weg zu weit und kaum ein Opfer zu groß ist um seine Musik mit anderen Menschen zu teilen. Das klingt sehr pathetisch, aber wer Nathen kennt weiss, das das tatsächlich so ist. Wer ihn nicht kennt wird bei seinen Konzerten spüren, dass es genau so ist.

Nach ein paar leckeren Bierchen war es Zeit für die „Vorgruppe“. Pascal Briggs betrat die Bühne und legte, nur mit seiner Akustik Gitarre bewaffnet und teilweise von einem Freund mit der Mundharmonika unterstützt, eine Wahnsinnsshow hin. Der Mann hat mich wirklich beeindruckt und ich denke und hoffe, dass man noch viel von ihm hören wird.

Nach einer kurzen Pause betrat Nathen mit seiner Original Bunny Gang, bestehend aus Nathens Vater am Schlagzeug, Mike Peralta, einen Jugendfreund von Nate am Bass und einem Gitarristen dessen Namen ich leider vergessen habe, die Bühne. Nathen spielte das Intro zu “Outlaw ” auf einer Melodica (ich hoffe, das stimmt, der lange Schlauch hat mich doch etwas verunsichert) während das Publikum gespannt darauf war, was es an diesem Abend erwarten würde.

Ich bin mir nicht ganz sicher ob die Mehrzahl des aus ca. 50 Personen bestehenden Publikums eher wegen Nathen als Bassisten von Flogging Molly oder wegen Nathen als Kopf der Bunny Gang gekommen war. Im Vorfeld der Konzerte hatte ich gedacht, dass sehr viele Flogging Molly Fans kommen um Nathen spielen zu sehen, dem war aber offensichlich nicht so. Das Publikum war ziemlich gemischt Wer nun aus welchem Beweggrund gekommen war spielte aber auch spätestens zu Beginn des nächsten Songs “Working for the men” keine Rolle mehr.

Nate wusste mit seiner Leidenschaftichkeit und Authentizität sehr schnell zu überzeugen. Jedes seiner Lieder hat eine ganz persönliche Geschichte und das kann man nicht nur sehen und hören sondern auch fühlen. Ich war selten bei einem so ergreifenden Konzert. Es gibt bestimmt etliche Leute denen die CD zu ruhig ist, das kann ich auch verstehen. Lasst euch davon aber nicht täuschen, live geht es richtig ab.

Nach der Show war Nathen, wie man es von ihm gewohnt ist, im Publikum zu finden und war für jedes Gespräch offen. Auch der Rest der Band ist äusserst kommunikativ und Nathens Vater ist einen Seele von Mensch. Es wurde noch ein sehr langer Abend den ich so schnell nicht vergessen werde.

Mit etwas Glück kommen Nathen Maxwell and The Original Bunny Gang dieses Jahr noch mal nach Europa. Sollte das klappen werde ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen.

Nathen Maxwell & The Original Buny Gang; Hamburg Germany

Nathen Maxwell & The Original Bunny Gang; Cologne, Germany

2010-0Nathen Maxwell & The Original Bunny Gang; Munich, Germany

Flogging Molly @ Rock am Bach

Flogging Molly @ Arena, Vienna 2010

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*