Flogging Molly – Rock am Bach, 09.Juli 2010
Nach dem grandiosen Konzert in Zürich haben wir uns sehr auf das Rock am Bach Festival in St. Wendel gefreut. Zudem war das endlich mal ein Konzert für das wir nicht um die halbe Welt reisen mussten. Mit 120 km Entfernung liegt St. Wendel ja quasi vor unserer Haustür. So kam es auch, dass ich am Freitag nicht schon frei hatte sondern noch ganz normal arbeiten war und in einer Besprechung saß als plötzlich mein Handy klingelte und Flogging Mollys Tour-Manger dran war. Ich konnte mitten in der Besprechung zwar nicht ans Telefon gehen aber nach ein paar SMS hin und her war das Problem schnell klar. Es gab kein Guinness zwischen der Französischen Grenze und St. Wendel und die Frage war ob wir noch eine Idee hätten wo man an Guinness kommen könnte. Ich versprach mit darum zu kümmern. Nach Arbeitsende ging es also nicht wie geplant direkt zum Festival sondern erst mal zum Getränkemarkt unseres Vertrauens. Dort erfuhren wir allerdings dass, Guinness vorübergehend Lieferprobleme hatte und so konnten wir nur die letzen 8 Dosen des schwarzen Gebräus ergattern. Wir verbrachten dann noch eineinhalb Stunden mit der Bier- Suche in verschiedenen Getränkemärken bis wir schließlich aufgeben mussten. Wir hatten offenbar tatsächlich die letzten 8 Dosen zwischen Mannheim und Frankreich erstanden. Wesentlich später als geplant kamen wir in St. Wendel an. Ich hatte schon die schlechte Nachricht verkündet und ging nicht davon aus, dass wir unsere Beute so schnell wie möglich übergeben müssten. Also ging es erst mal ins Hotel, nochmal schnell geduscht (es waren 38° und das Joggen durch diverse Getränkemärkte war wirklich schweißtreibend) und dann auf zum nächsten Biergarten denn gegessen hat wir auch noch nicht viel. Wir saßen also ganz gemütlich beim Essen als per SMS die Frage kam ob wir schon da wären. Da wurde uns klar, dass wir nicht mickrige 8 Dosen Guinness im Gepäck hatten sondern offenbar einen kleinen Goldschatz. Nun gut, nun also nichts wie zum Festival Gelände.
Rock am Bach fand im Bosenbach Stadion, einem kleinen Sportplatz statt. Gleich der erste Eindruck war sehr positiv, alles war überschaubar und es herrschte eine lockere Atmosphäre. Unser erster Weg führte uns natürlich zu den Bussen und als dort keiner war weiter zum Zelt von Flogging Molly. Auch hier konnte man sehen, dass sich die Veranstalter echt Mühe gegeben haben. Das Zelt war wie ein gemütliches altes Wohnzimmer eingerichtet und so fehlte noch nicht mal ein spießiges Ölgemälde an der Wand, das sicherlich mit einem Augenzwinkern, dem Ambiente den letzten Schliff gab.
Vor dem „Wohnzimmer“ trafen wir dann auch den Tour-Manager, der unseren Schatz freudig entgegen nahm und gleich in Sicherheit brachte. Nach ein paar Bier mit Nathen und Dennis war es Zeit sich ins Getümmel zu stürzen und Freunde zu treffen. Alexisonfire begannen gerade zu spielen als wir den Innenraum betraten. Die Jungs waren nicht schlecht, aber so ganz meinen Geschmack haben sie nicht getroffen. Im hinteren Bereich des Sportplatzes gab es einen Biergarten. Dort zog es uns natürlich magisch hin. Als wir erfuhren, dass man an den Getränkeständen nichts direkt kaufen kann sondern sich erst Bons holen muss waren wir nicht gerade begeistert. Natürlich ist das für die Veranstalter wesentlich leichter, für die Festivalbesucher bedeutet das aber in der Regel doppelt anstehen. Erst am Bonverkauf, dann am Getränkestand. Bei Rock am Bach war jedoch alles ein bisschen anders. Es gab keine Schlangen am „Bon-Häuschen“ und was wir dort in die Hand bekamen waren nicht die üblichen Getränke-Marken sondern liebevoll gestaltete Festival Dollar auch „RAB“ genannt.
Mit unseren mit RAB bezahlten Bier und in Gesellschaft unserer Freunde suchten wir uns ein halbwegs schattiges Plätzchen im Biergarten während inzwischen Danko Johnes auf der Bühne stand. Danko lieferte eine tolle Show ab, aber ich muss ehrlich sagen auch er war für mich an diesem Tag nur Beiwerk. Ich konnte es einfach nicht abwarten Flogging Molly zu sehen.
Nach Danko Jones haben wir uns kurzfristig in den urgemütlichen Backstage Biergarten zurück gezogen wo wir uns eine Weile mit Bob und Matt unterhalten haben. Bob fragte mich im Verlauf des Gesprächs wie die nächste Band, WIZO, sei. Ich musste ehrlich zugeben, dass ich zwar in Erinnerung hatte, dass sie Recht gut sind, mir ist aber kein Lied oder auch nur irgendwas Konkreteres eingefallen. Das hat sich mit dem Auftritt von WIZO jedoch schlagartig geändert. Was für ein geiles Konzert! Trotzdem ich eigentlich sehnsüchtig auf Flogging Molly wartete hätte ich kein Problem gehabt wenn die Jungs noch länger gespielt hätten. Wir haben während dieses Auftritts sehr viel Spaß gehabt.
An dieser Stelle muss ich noch mal das Festival an sich loben. Ich war wirklich schon lange nicht mehr bei so einem entspannten Festival. Alle waren locker drauf und die Ordner haben es geschafft einen guten Job zu machen und trotzdem nett zu den Leuten zu sein (ja, man kann Crowdsurfer auch freundlich aus dem Graben vor der Bühne geleiten ohne sie halb rauszuprügeln!) . So stelle ich mir ein Festival vor.
Nach WIZO war es dann endlich so weit und der Moment auf den ich so lange gewartet hatte trat ein. Flogging Molly betraten die Bühne. Los ging es, wie immer auf dieser Tour, mit Paddys Lament und schon war die Menge am Toben. Weiter ging es mit The Likes of you again und Swagger dann entschlossen wir uns unseren komfortablen Platz auf der Bühne aufzugeben und das Konzert von vorne mitzuerleben. Ach, ich liebe einfach diese Atmosphäre von Flogging Molly Konzerten. Die Band hat nach all den Jahren ihre gewaltige Energie noch nicht verloren und schafft es jedes Mal ihre Spielfreude auf das Publikum zu übertragen so dass eine bis in die hinterste Reihe fröhliche, tanzende Menge entsteht. Kurz vor Ende der Show verzogen wir uns dann wieder auf die Bühne wo Flogging Molly mit zwei Zugaben das Publikum begeisterten. Dort wurden wir auch Zeuge wie Dave höchstpersönlich eine Dose des kostbaren Guinness an einen jungen Mann verschenkte. Der Glückliche

Nach der Show gesellten sich Bob, Nathen und Dennis wie immer noch ins Publikum wo viele Fotos gemacht wurden. Das ist auch so eine Sache, die man dieser Band hoch anrechnen muss. Ich fand es vor 7 Jahren, als Flogging Molly noch vor 100 bis 200 Leuten spielte, schon ungewöhnlich, dass Nathen mich nach der Show ansprach und fragte wie es mir gefallen hat (so haben wir uns kennen gelernt) ; dass sie heute immer noch direkten Kontakt zum Publikum suchen zeichnet die Band wirklich aus.
Für uns ging der Abend nach ein paar weiteren Bierchen mit unseren Freunden gegen 2 Uhr zu Ende und wir torkelten fröhlich zurück zum Hotel.
Alle Fotos vom Konzert findet ihr hier:



